Warum heißen weiße Pferde „Schimmel“? Erklärung, Bedeutung

Warum heißen weiße Pferde, Schimmel, Erklärung, Bedeutung


„Schimmel“ sind weiße Pferde, die zu beliebigen Rassen gehören können. Bei manchen Pferden wird das Fell durch weiße Stichelhaare aufgehellt, diese nennt man auch Schimmel. Die weiße Farbe hat nichts mit der Rasse, sondern mit einer genetischen Veränderung zu tun. Den Namen „Schimmel“ verleiht man diesen Pferden, weil ihr Fell an echten Schimmel (vom Schimmelpilz) erinnert.

Warum heißen weiße Pferde „Schimmel“? Erklärung, Bedeutung

Die Schimmel werden zunächst mit einer beliebigen dunkleren Fellfarbe geboren. Sie tragen in sich das Grey-Gen, das ihr Fell im Verlaufe ihres Lebens ausschimmeln lässt. Diese Gen kann vererbt werden, weshalb die Nachkommen von Schimmeln ebenfalls meistens Schimmel sind. Bei der Geburt sind die Schimmel Rappen, Füchse oder Braune, auch jede andere Farbe ist möglich. In den nächsten Jahren bekommt ihr Fell zunehmend weiße Haare, was man „Ausschimmeln“ nennt. Dabei bleiben aber die Farben der Haut, der Iris, der Augen und Hufen zunächst erhalten.

Manche Pferde behalten diese Farben bis an ihr Lebensende, bei anderen sehr alten Schimmeln tritt die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) auf, sie haben dann auch weiße Augen, eine weißfleckige Haut und manchmal sogar weißfleckige Hufe. Während des Ausschimmelns verliert das Fell des Tieres fortschreitend seine Farbpigmente. Das Langhaar ist ebenfalls betroffen. Die Weißfärbung setzt zunächst an den Flanken und im Gesicht ein. Sie beginnt schon in sehr jungen Jahren. Schimmelfohlen sind meistens am grauen Kranz um ihre Nüstern und Augen zu erkennen. In der Regel ist das Ausschimmeln im Erwachsenenalter abgeschlossen, es kann aber auch etwas länger dauern.

Schimmel mit verschiedenen Farb- und Zeichnungsvarianten

Es gibt bei Schimmeln verschiedene Farbvarianten sowohl während der Zeit ihrer Ausschimmelung als auch nach deren vollständigem Abschluss. In der Ausschimmelungsphase gibt es

  • Braunschimmel,
  • Rotschimmel,
  • Rappschimmel,
  • Fuchsschimnachmel,
  • Grauschimmel,
  • Blauschimmel (gleichmäßige Verteilung der dunklen und weißen Haare) sowie
  • Apfelschimmel (dunklere Haare in Kreisen oder Halbkreisen).

„Fertige“ Schimmel können folgende Färbungen zeigen:

  • Atlasschimmel (vollkommen weiß)
  • Fliegenschimmel (weiß mit kleinen braunen, roten und schwarzen Tupfen)
  • Rosenschimmel (weiß mit ausschließlich rote Tupfen)

Welche Rassen können Schimmel hervorbringen?

Die Schimmelfärbung ist wie erwähnt nicht rassebedingt, sie kommt bei diversen Rassen vor. Es gibt wenige Rassen, die ausschließlich oder überwiegend Schimmel hervorbringen. Ausschließlich Schimmel sind die Camargue-Pferde. Meistens Schimmel sind die Lipizzaner, die Andalusier, die Shagya-Araber und die Boulonnais. Wahlweise Rappen oder Schimmel sind die Kladruber.

Genetik der Schimmelfärbung

Das Grey-Gen verursacht die Verschimmelung eines Pferdes. Diese Genmutation ist bei allen Schimmeln anzutreffen. Dabei mutiert das STX17-Gen, wird überexprimiert und regt dadurch das Melanozytenwachstum an. Einige der Melanozytenstammzellen sterben dadurch vorzeitig ab, andere breiten sich stark aus, was die Fellfärbung beeinflusst. Die Mutation kann vererbt werden.

Sind Schimmel gesundheitlich gefährdet?

Das Grey-Gen beeinflusst zwei andere Gene (Silver und TYRP1), wodurch das Pferd für Albinismus Typ 3 und den damit verbundenen Melanomen anfällig ist. Diese sind aber gutartig. Ihre Tumormarker sind ähnlich wie die gutartigen Naevi caerulei beim Menschen ausgeprägt. Bösartige Melanome gibt es bei allen Pferden, sie sind aber eher selten.

Kennzeichnung als Schimmel durch die Pferdezucht

Es gibt stichelhaarige Pferde, bei denen das Fell überwiegend weiß, die Haut aber eher rosafarben ist. Diese Pferde gelten im Sinne der Pferdezucht nicht als echte Schimmel, die immer eine schwarze Haut bei weißem Fell haben.

Schimmel in der Literatur, Folklore und Religion

Die faszinierenden weißen Pferde regen seit ewigen Zeiten die Fantasie an. Die Veneter an der Adria opferten Schimmel in ihren Heiligtümern. Die Araber und einige asiatische Völker (unter anderem die Koreaner) betrachten den Schimmel als Symbol für Glück und Erfolg. Die Polen betrachten ihn als besonders gutes Pferd. Bei den alten Kelten war er hingegen ein Todessymbol. Die Japaner unterstellen ihren Frauen eine besondere Beziehung zum Schimmel, die so stark sein soll, dass die Frau dem Tier lieber ausweichen sollte. Der Schimmel kann sie verzaubern. Er verliebt sich in die Frau, diese Liebe überdauert auch seinen Tod. Japanische Sagen schildern solche Liebesgeschichten, die unglücklich ausgehen. Die japanische Seidenraupe soll aus so einer Liebe entstanden sein. Die Deutschen kennen Theodor Storms Novelle vom Schimmelreiter, in welcher das Pferd eine unheimliche und geisterhafte Figur ist.

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