Was ist Identitätspolitik? Bedeutung und Definition erklärt


„Identitätspolitik“ ist ein Politikstil bei dem die Bedürfnisse einer ausgewählten Gruppe von Menschen auf gesamtgesellschaftliche Verhältnisse angewendet werden. Identitätspolitik steht für die Identifikation jener Gruppe mit den politischen Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Position und der Stärkung ihres Einflusses innerhalb einer Gesellschaft.

Das politische Handeln von Politikern richtet sich bei der Identitätspolitik nach den Bedürfnissen einer ausgewählten Gruppe. Hierbei wird eine Verbesserung der gesellschaftlichen Situation, mehr Anerkennung und mehr Einfluss dieser Gruppe angestrebt.

Identitätspolitik geht davon aus, dass eine Gruppe, für die Identitätspolitik betrieben, unterdrückt wird und gesellschaftlich schlechter gestellt ist. Deswegen ist es ein Anliegen von verschiedenen Akteuren die Unterdrückung und empfundene Unterdrückung durch gesetzliche Regelungen aufzuheben bzw. auszugleichen. Ohne die Idee unterdrückt oder benachteiligt zu sein, funktioniert Identitätspolitik nicht.

Wie funktioniert Identitätspolitik?

Bei der Identitätspolitik werden genetische, ethnische, soziale und kulturelle Merkmale verwendet, um Mitglieder einer Gruppe zu definieren. Weitere Eigenschaften die Mitglieder als Teil einer Gruppe auszeichnen, können sein:

  • Ausbildung
  • Behinderung
  • Beruf (im Sinne von Arbeiter usw.)
  • Bildung
  • Dialekt
  • Ethnie
  • Generation
  • Geschlecht
  • Geschlechtsidentität
  • Hautfarbe
  • Kultur
  • Nationalität
  • Politische Ansichten
  • Rasse
  • Religion
  • Sexuelle Orientierung
  • Sozialer Status
  • Sprache
  • Veteranen-Status
  • Wohnort (Stadt oder Land)

Menschen, die diese Eigenschaften aufzeigen, können zu einer Gruppe gezählt werden. Menschen denen diese Eigenschaften fehlen, werden ausgeschlossen. Jene Personen innerhalb der Gruppe werden oft als homogen wahrgenommen, wodurch individuelle Eigenheiten in den Hintergrund rücken und die Gruppenidentität das bestimmende Merkmal wird.

Unter anderem wird Identitätspolitik in Deutschland und den USA für folgende Gruppen betrieben:

  • Einwanderer
  • Flüchtlinge
  • Frauen (genetische Definition)
  • Homosexuelle / LGBTQ+
  • Mexikaner (in den USA)
  • Migranten
  • religiöse Minderheiten (Muslime)
  • Trans-Menschen
  • Schwarze

Insbesondere funktioniert die Identitätspolitik durch den Aufbau von Feindbildern, so unter anderem „alte, weiße, heterosexuelle Männer“, „Männer“, „heterosexuelle Weiße“, eine „Weiße Mehrheitsgesellschaft“ oder „Deutsche ohne Migrationshintergrund“.

Diesen wird nach gesagt und vorgeworfen, dass sie für die gesellschaftlichen Verhältnisse verantwortlich sind, die zur Unterdrückung und Benachteiligung marginalisierter Gruppen geführt haben. Mit dieser Begründung und Erklärung engagieren sich verschiedene Gruppen (Ausländer, Behinderte (Inklusion), Frauen, Migranten, People of Color, Schwule) für die Gleichstellung und Gleichbehandlung ihrer Klienten. Dafür gründen sie Vereine, die sich für mehr gesellschaftliche Anerkennung und die Verbesserung ihrer Situation einsetzen.

Geschichte der Identitätspolitik

Identitätspolitik stammt aus den USA. Hier wurde zunächst von „identity politics“ gesprochen. Der Begriff trat in den 1960er auf, als sich erste Bürgerbewegungen formten: so z.B. die Frauenrechtsbewegung für mehr Rechte für Frauen oder die „Black Power“-Bewegung für mehr Rechte und Gleichbehandlung der Afroamerikaner. Seit den 1970er wird der Ausdruck verstärkt im politischen Diskurs verwendet.

Seit den 1980er Jahren strebten verschiedene gesellschaftliche Gruppe nach mehr gesellschaftlicher Anerkennung und Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Situation. Diese Gruppen drückten unter anderem aus, in wie fern sie unterdrückt werden und wie sie dies wahrnehmen. In den USA wird hier der Begriff „Oppression“ verwendet.

Unter anderem sind folgende Gruppen bekannt: (Ordnung alphabetisch)

  • Afroamerikaner (Schwarze)
  • Alte
  • amerikanische Ureinwohner (Indianer)
  • Behinderte
  • Feministen / Schwarze Feministen
  • Obdachlose
  • Schwule und Lesben, LGBTQ+
  • Übergewichtige
  • US-Amerikaner mit asiatischen Wurzeln
  • US-Amerikaner mit hispanischen/lateinamerikanischen Wurzeln

Kritik an der Identitätspolitik

Die US-amerikanische Politikwissenschaftlerin Nancy Fraser sieht die Identitätspolitik nicht als Kernproblem der amerikanischen Linken, sondern ihre Verbindung mit neoliberalen und dienstleistungsorientierten Branchen wie der Wall Street, Silicon Valley oder Hollywood. Dieser Neoliberalismus führte zu einem Sozialabbau gegen den sich Betroffene nur wehren können, wenn sie sich damit auch gegen die Identiätspolitik stellen. Damit wehren sich die Betroffenen gegen den Sozialabbau und es entsteht der Eindruck, dass sie sich auch die gegen die Gleichstellung benachteiligter Gruppen stellen.

Kritiker sagen, dass die Identitätspolitik dafür sorgt, dass optische Unterscheidungsmerkmale wie Hautfarbe, Geschlecht, Haare, usw. durch die Identitätspolitik verstärkt wahrgenommen werden und so in den Fokus der Unterscheidung rücken. Damit würde die Opferrolle verstärkt werden, da die Wahrnehmung einer Person auf diese Merkmale reduziert wird.

Auch werfen Kritiker der Identitätspolitik vor, dass es bei dieser um Machtpolitik gehe, wobei eine kleine Gruppe mehr Macht erhalten möchte, um ihre Ideen und Ansichten in der Gesellschaft durchzusetzen. Außerdem hat dies Einfluss auf die Verteilung von Geldern und Ressourcen.

Weiterhin führt die Identitätspolitik dazu, dass die emfundene Opferrolle Auswirkungen auf die Gesprächskultur, Meinungsfreiheit und das Individuum hat.

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2 Gedanken zu „Was ist Identitätspolitik? Bedeutung und Definition erklärt“

  1. Hi Pierre, toller Beitrag. Würde ich gerne zitieren, aber leider fehlt ein Veröffentlichungsdatum! Wäre toll, wenn Ihr das in Zukunft mitveröffentlicht. Danke! Eine Studentin 😉

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