Österreich steht vor einer der tiefgreifendsten Reformen seiner Glücksspiellandschaft seit Jahrzehnten. Der bestehende Rechtsrahmen gilt seit Langem als veraltet, die Marktstrukturen als monopolähnlich und die Online-Dynamik als kaum abgebildet. Nun deutet vieles darauf hin, dass bereits 2026 ein neues Glücksspielgesetz eingeführt wird, das weitreichende Folgen für Anbieter, Politik und Verbraucher haben dürfte.
Nach Medienberichten sollen die Regierungsparteien bereits in Kürze einen konkreten Entwurf einbringen, der das gesamte Ökosystem neu ordnen würde. Die Zeit drängt, denn mehrere bestehende Lizenzen laufen 2027 aus, wodurch ein gesetzgeberischer Handlungsdruck entstanden ist.
Ein Markt zwischen Monopol und liberalen Strukturen
Bereits an dieser Stelle wird sichtbar, wie groß die Erwartungen an die Reform sind. Viele Nutzer orientieren sich aufgrund der aktuellen Lage schon heute an Angeboten, die im Ausland lizenziert sind und teils als besonders frei zugänglich gelten, wie sie etwa auf dieser Seite verglichen werden.
In Österreich selbst ist das digitale Spielangebot derzeit stark begrenzt. Im Online-Bereich besitzen ausschließlich die Österreichischen Lotterien die Berechtigung, Glücksspiele über die Plattform win2day anzubieten.
Diese Situation hat den Markt in eine besondere Lage versetzt, denn während ein einziges Unternehmen offiziell im Internet aktiv sein darf, nutzen Konsumenten gleichzeitig eine Vielzahl von Plattformen, die außerhalb des Landes lizenziert sind und daher nicht denselben nationalen Regeln unterliegen.
Gleichzeitig existiert im Bereich der Sportwetten ein geteiltes Bild. Obwohl Sportwetten nicht unter das klassische Glücksspielmonopol fallen, agieren zahlreiche Unternehmen im breit definierten Marktumfeld. Dies führt zu einer Grauzone, in der Anbieter zwar international reguliert sind, jedoch nicht immer den österreichischen Steuer- oder Auflagenstrukturen entsprechen.
Über die Jahre entstand daraus ein Spannungsfeld. Auf der einen Seite steht die staatliche Kontrolle mit dem Ziel einer geordneten Vergabe von Lizenzen, auf der anderen Seite eine lebendige digitale Nutzungsrealität, die längst global ausgerichtet ist.
Ein neues Gesetz könnte genau hier ansetzen und eine Brücke zwischen beiden Welten schlagen.
Warum die Reform jetzt an Dynamik gewinnt
Laut Berichten der Nachrichtenagentur APA planen die Regierungsparteien ÖVP und SPÖ, den Entwurf für das neue Glücksspielgesetz noch vor Jahresende einzubringen. In Kraft treten könnte er bereits im ersten Halbjahr 2026. Das ist ein ambitionierter Zeitplan, der jedoch gut begründet ist.
Die notwendige Überarbeitung des Rechtsrahmens ergibt sich aus mehreren Faktoren:
- Auslaufende Lizenzen ab 2027
Lotterie- und Online-Lizenzen besitzen feste Laufzeiten. Ohne rechtzeitige Neuregelung entstünde eine juristische Lücke, die den gesamten Markt betreffen würde. - Internationale Entwicklung
Mehrere europäische Länder haben in den letzten Jahren ihre Glücksspielmärkte neu reguliert. Deutschland setzte auf ein zentrales Sperrsystem und klare Lizenzmodelle. Irland befindet sich ebenfalls mitten in einer umfassenden Reform. Österreich möchte mit dieser Entwicklung Schritt halten. - Digitalisierung und Online-Dynamiken
Das Nutzerverhalten hat sich deutlich verändert. Der größte Teil des Wachstums im Glücksspielbereich entsteht inzwischen online. Das aktuelle österreichische Monopol bildet diese Realität nur begrenzt ab.
Entsprechend groß ist die Erwartung, dass der politische Entwurf grundlegende Veränderungen einleiten wird. Allerdings handelt es sich um ein komplexes Vorhaben mit zahlreichen offenen Fragen.
Spielerschutz als Kernanliegen der Reform
Obwohl der genaue Gesetzestext bisher nicht vorliegt, gilt ein zentraler Aspekt schon jetzt als gesetzt. Die politischen Verantwortlichen wollen den Spielerschutz, insbesondere beim digitalen Spiel, deutlich ausbauen.
Die Überlegung orientiert sich möglicherweise an Systemen, die bereits in anderen Ländern existieren. In Deutschland wurde mit dem zentralen Sperrregister OASIS eine anbieterübergreifende Möglichkeit geschaffen, mit der Nutzer ihre Teilnahme am Glücksspiel selbst begrenzen können.
Österreich prüft, ob ein vergleichbarer Mechanismus umgesetzt werden könnte. Dies würde bedeuten, dass Menschen, die ihre Aktivität einschränken möchten, eine Sperre erhalten, die für alle lizenzierten Anbieter landesweit bindend wäre.
Ein solches System erfordert jedoch eine zentrale Behörde oder zumindest eine übergeordnete technische Instanz, die für die Datenverwaltung, Kontrolle und Freigabe zuständig ist.
Ob eine neue Glücksspielbehörde geschaffen wird, bleibt dennoch offen. Verschiedene Länder sind hier unterschiedliche Wege gegangen:
- Deutschland gründete die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder zur zentralen Regulierung.
- Irland stellte mit der Gambling Regulatory Authority of Ireland eine völlig neue Institution auf.
- Die Schweiz setzte auf bestehende Strukturen und erweiterte diese um technische Maßnahmen wie Netzsperren.
Für Österreich ist bislang nicht bekannt, welche Lösung favorisiert wird. Klar ist jedoch, dass eine zentrale Aufsicht Voraussetzung wäre, um künftige Vorgaben, Lizenzkontrollen und sogar das Thema Datenschutz effizient umzusetzen.
Marktöffnung oder Modernisierung des Monopols?
Der wohl entscheidendste Punkt der gesamten Reform betrifft die Frage, wie viele Anbieter künftig überhaupt zugelassen werden.
Während manche politischen Stimmen weiterhin ein staatlich kontrolliertes Modell bevorzugen, halten andere eine Öffnung des Marktes für unvermeidbar. Hintergrund ist die digitale Realität: Die Nutzung international lizenzierter Casinos oder Wettplattformen zeigt, dass der Bedarf an Vielfalt besteht und die Nachfrage nicht allein vom nationalen Angebot gedeckt wird.
Sollte Österreich den Markt öffnen, wären die Anzahl der Online-Lizenzen, die Anforderungen an die Lizenznehmer, steuerliche Anpassungen und die technische Kontrolle zu klären.
Nach der Einbringung des Gesetzesentwurfs wird das parlamentarische Verfahren beginnen, in dem Ausschüsse, Experten und Interessenvertreter involviert sind. Da das geplante Inkrafttreten schon für 2026 vorgesehen ist, werden die Beratungen vermutlich zügig geführt.
Die zentrale Herausforderung liegt darin, ein Gesetz zu formulieren, das gleichzeitig technologisch aktuell, wirtschaftlich tragfähig und europarechtskonform ist.
Zudem müssen die politischen Akteure sicherstellen, dass die Übergangsphase bis 2027 ohne Unsicherheiten gestaltet wird.
Fachkreise erwarten, dass bereits vor dem offiziellen Inkrafttreten erste strukturelle Vorbereitungen getroffen werden, etwa der Aufbau einer möglichen Behörde, die Entwicklung technischer Schnittstellen oder die Erstellung von Lizenzkriterien.
Auch international beobachtet man die Entwicklung aufmerksam. Österreich gilt aufgrund seiner derzeitigen Struktur als ein Sonderfall innerhalb Europas. Eine Reform könnte das Land regulatorisch näher an andere EU-Staaten heranführen und zugleich Einfluss auf den DACH-Raum haben.
