Was ist Tankōbon? Bedeutung, Definition, Erklärung


Wer ein Tankōbon liest, meint umgangssprachlich Manga in einem gesammelten Buch. Der japanische Begriff wird auch im Deutschen benutzt, um einzelnen Sammelbände der beliebten Comics zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Ob die Serie dabei abgeschlossen oder fortlaufend ist, spielt beim speziellen Buchformat eine untergeordnete Rolle.

Was ist Tankōbon? Bedeutung, Definition, Erklärung

Der japanische Ausdruck „Tankōbon“ bedeutet übersetzt „Einzelbuch“. Obwohl es sich bei ihnen um ein Buch handelt, welches vollständig ist und somit nicht als Teil einer Serie angesehen wird, können einzelne Bände einer Serie angehören. Folglich sind Tankōbon abgeschlossen oder fortlaufend. Obwohl das Japanische das Wort „hon“ für Buch verwendet, ist der Begriff allgemeiner, da er unter anderem Bücherserien mit einschließt.

Standardmäßig handelt es sich bei Tankōbon um Bücher im Taschenbuchformat. Bei der Veröffentlichung gibt es bezüglich Format kaum Vorschriften. Im deutschsprachigen Raum beschränken sich Tankōbon nicht auf kleine Bücher mit einem Softcover. Hardcover-Ausgaben im Großformat sind je nach Verlag ebenfalls möglich. Viele Verlage beschränken sich diesbezüglich auf ein bestimmtes Format, wobei dies nicht für jede erhältliche Serie gilt.

In Japan hingegen begrenzen sich Tankōbon nicht auf einen bestimmten Bereich. Sie können unter anderem als Kataloge, Romane, Lehrbücher, Bilderbücher, Sammelformate für Lebens- und Beautytipps oder für das beliebte Format der Manga verwendet werden. Im Gegensatz zu normalen Veröffentlichungen sind Tankōbon äußerst günstig, wodurch sie weit verbreitet sind. Der exakte Preis unterscheidet sich je nach Verlag um Umfang des Taschenbuchs.

Tankōbon im deutschsprachigen Raum

Im deutschsprachigen Raum werden Tankōbon meist mit Manga in Verbindung gebracht. In Japan erscheinen die beliebten Comics zum Großteil wöchentlich oder monatlich als Einzelkapitel in Magazinen wie etwa Weekly Shonen Jump, Akamaru Jump, Shonen Magazine oder Hana to Yume. Ein Magazin umfasst verschiedenste Serien von mehreren Autoren, wobei selten mehrere Kapitel desselben Autors in einer Ausgabe erscheinen. Somit müssen Fans teils lange warten, um mehrere Kapitel auf einmal lesen zu können.

Wie viele Serien pro Magazin enthalten sind, unterscheidet sich je nach Format, Genre und Verlag. Serien aus Mädchen- und Frauenmagazinen sind durchschnittlich im Kapitelumfang größer und erscheinen deshalb meist monatlich. Jungs- und Männermagazine hingegen besitzen kürzere Kapitel und werden zum Großteil wöchentlich veröffentlicht.

Wer jedoch keine Magazine lesen und sammeln möchte oder nur Fan von einer speziellen Serie ist, greift meist auf das Tankōbon zurück. Das Taschenbuch beinhaltet mehrere Kapitel derselben Geschichte. Diese werden chronologisch zusammengefasst und in gebundener Form veröffentlicht. Wie viele Seiten und Kapitel ein Tankōbon beinhaltet, obliegt dem Verlag und dem Kapitelumfang. Der Großteil der erhältlichen Tankōbon besteht aus rund 180 Seiten. Meist handelt es sich dabei um vier bis zehn Kapiteln.

Da im deutschsprachigen Raum an sich keine Manga-Magazine verkauft werden, sind Fans des Comicformats auf die Veröffentlichung als Sammelband angewiesen. Die Verlage bestimmten in Absprache mit den Verlagen in Japan, in welchem Rhythmus die Tankōbon erhältlich sind. Durchschnittlich werden diese je nach Serie im Abschnitt von zwei bis vier Monaten herausgebracht.

Anders als in Japan enthalten deutschsprachige Tankōbon nur selten Farbseiten. Diese werden entweder zu Beginn eines Bandes abgedruckt, erscheinen nur in speziellen Auflagen oder sind anschließend als Artwork-Buch erhältlich. Nur vollfarbige Serien werden komplett farbig in Tankōbon abgedruckt. Außerdem kolorieren Verlage keine Seiten, sondern beziehen sich stets auf das japanische Original.

Formate für Tankōbon

Standardmäßig erscheinen japanische Tankōbon im Format JIS B6, welches ungefähr 13 x 18 cm beträgt. Amerikanische Ausgaben sind meist größer und betragen 18 x 25 cm. Im deutschsprachigen Raum wird entweder das japanische Format von 12,8 x 18,2 cm übernommen oder auf ISO A5 in der Größe von 14,8 x 21 cm gesetzt. Jedem Verlag steht es frei, eigene Formate für die Veröffentlichung festzulegen. Der sogenannte „Tokyopop trim“ oder „Toykopop Größe“ ist ein etwas größeres Format von 13 x 19 cm, welches auch in Deutschland Verwendung findet.

Unterschied Tankōbon und Magazin

Das Tankōbon besitzt hauptsächlich optische Unterschiede zu Magazinen, in welchen die Kapitel erstveröffentlicht werden. Vor allem wöchentlich erscheinende Ausgaben werden in Japan als Wegwerfartikel angesehen, da sie auf billigem Zeitungspapier gedruckt werden. Viele Käufer lesen das Magazin einmalig, werfen es weg und kaufen sich die besseren Tankōbon, wenn ihnen eine Serie gefallen hat. Obwohl Farbseiten, farbige Cover und andere Specials enthalten sind, sind Tankōbon grundsätzlich hochwertiger verarbeitet. Sowohl Cover wie die einzelnen Seiten bestehen aus besserem Papier, wodurch die einzelnen Bücher eine höhere Lebensdauer besitzen.

Zudem kommen Tankōbon häufig mit Specials und Extras wie etwa Kommentaren der Autoren und deren Assistenten, Postern, Postkarten, Stickern und Ähnlichen. Magazine hingegen werden selten mit Goodies ausgestattet. Vielmehr erhalten die Leser des Öfteren Chancen, Preise wie etwa Autogrammkarten oder Veröffentlichungen in Werken zu gewinnen.

Sonderformen von Tankōbon

Obwohl Tankōbon Sammelbände beziehungsweise Taschenbücher bezeichnet, existieren mehrere Formen des Formats. Hierbei versteht sich Tankōbon vielmehr als Obergriff als eigentliches Taschenbuchformat. Wer eine Sammler-Edition oder eine „Liebhaberausgabe“ ergattert, liest ein Aizōbon. Diese Ausgaben sind meist teurer, da ihnen besondere Beigaben beiliegen. Welche Goodies genau enthalten sind, hängt vom jeweiligen Buch ab. Oft wird sogar der Bucheinband aus besonderem Papier speziell für die jeweilige Edition erstellt. Zudem wird in der Regel noch besseres Papier als beim Tankōbon für den Druck der Seiten verwendet.


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Vollständige Ausgaben, das heißt komplett abgeschlossene Serien, erscheinen als Kanzenban. Das Sonderformat betont dabei die Vollständigkeit der Tankōbon-Reihe. Serien als Aizōbon hingegen steigen nicht selten in ihrer Begehrtheit und somit ihrem Wert an, wodurch das Format den Wert beschreibt.

Bevorzugt der Leser eine breitere Ausgabe des Tankōbon, sucht er nach einem Wideban. Die einzelnen Bände sind größer als die Standardbücher, wobei ihr Format meist DIN A5 beträgt. Ergänzend enthalten sie häufig mehr Kapitel als das Tankōbon, sodass die Anzahl an Einzelausgaben geringer ausfällt. Selten werden Magazinkapitel sofort als Wideban herausgebracht. Meist handelt es sich bei ihnen um eine Neuveröffentlichung einer alten oder vergriffenen Serie.

Die sogenannten Shinsōban sind stets Neuausgaben. Äußerst beliebte und erfolgreiche Serien werden manchmal neu aufgelegt. Die Neuauflagen besitzen üblicherweise einen überarbeiteten Einband mit einem schöneren oder neuen Cover sowie einige Farbseiten. Wie oft sie erscheinen, hängt wiederum vom Verlag ab.

Tankōbon lassen sich gleichzeitig nicht auf alle „billigeren“ Buchformate übertragen. Ein Bunkobon ist beispielsweise ein Taschenroman. Bunkobon beziehungsweise bunko werden typischerweise für Romane verwendet. Informative Bücher sowie Lehrbücher erscheinen vor allem als Shinsho oder als großformatiges Mook. Letzteres ist ein Kofferwort aus magazine und book. Typisch für Mook sind die zahlreichen abgebildeten Fotografien.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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