Was ist der Kiri-Baum? Fakten, Infos


Der Kiri-Baum ist der weltweit am schnellsten wachsende Baum. Er stammt aus Asien, hat unter anderem für japanische Traditionen eine sehr hohe Bedeutung und heißt botanisch eigentlich Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa oder Paulownia imperialis), aber umgangssprachlich auch Kaiser-Paulownie, weil er schon lange zu den Wappen des japanischen Kaiserhauses gehört. Eine der Wappenvarianten hieß Go-Shichi no Kiri (五七の桐), die zur Bezeichnung als Kiri-Baum führte. Die 500-Yen-Münze trägt als Aufdruck eine Kiri-Blüte. CO₂-Baum wird der Kiri wiederum genannt, weil er extrem große Blätter hat (bis zu 90 x 30 cm), die aufgrund ihrer Oberfläche und des schnellen Wachstums sehr viel CO₂ binden können. Der Kiri-Baum ist auch ein Klimaretter.

Wie sieht ein Kiri-Baum aus? Ausehen, Fakten, Infos

Er trägt im Frühjahr blaue, glockenförmige Blüten, wie es der botanische Name verspricht. Das Wachstum kann bis zu 5 m pro Jahr betragen, die Wuchshöhe liegt zwischen 15 und 30, in Ausnahmefällen bis 50 m. Der Stamm ist gerade und 30 – 60 cm dick, bei sehr großen Bäumen aber auch deutlich dicker (bis zu 2 m). Die Krone ist breit und licht. Die herzförmigen Blätter sind gegenständig in kleinen Gruppen angeordnet und erreichen Ausmaße von 15 – 30 x 40 – 90 cm. Sie haben lange, rauhaarige Blattstiele, auch die Blätter sind spärlich behaart und im jungen Alter mit klebrigen Drüsenhaaren versehen.

Der Kiri bildet behaarte, orange-bräunliche Knospen und ab April stark nach Vanille duftende fünfzählige Blüten mit einem Kelch aus. Eine ausgebreitete Blüte kann bis zu 5 cm Durchmesser erreichen. Später bilden sich aus den Blüten eiförmige Kapselfrüchte mit vier Kammern und einer Schnabelspitze, die ab 2 cm breit und bis 4,5 cm lang werden. In den Früchten befinden sich jeweils bis zu 2.000 Samenkörner.

Aufgrund seiner großen Blütenstände, der an Nüsse erinnernden Kapselfrüchte und der samtigen, rotbraunen Behaarung seiner Zweigspitzen ist ein Kiri-Baum zwar unverwechselbar, wird aber von Laien dennoch gelegentlich mit einem Jacaranda- oder einem Trompetenbaum verwechselt. Die Behaarung an den Zweigspitzen ist der Auswuchs von speziellen Ausscheidungsdrüsen, die Schleimstoffe absondern. Diese locken Ameisen und sonstige Insekten an, die den Baum vor Pflanzenfressern schützen.

Wo wächst der Kiri-Baum? Wachstum, Orte

Er bevorzugt warme, vor allem frostfreie Standorte mit viel Sonnenlicht, wobei der Boden nicht zu arm und mäßig trocken sein sollte. Die großen Blätter befördern das Wachstum und binden dabei wie erwähnt sehr viel CO₂. In Mitteleuropa kann ein Kiri gedeihen, jedoch zählt er hier zu den invasiven Bäumen, die unser Ökosystem nicht kennt. Sollte er sich unkontrolliert verbreiten, würde er heimische Baumarten schlimmstenfalls verdrängen, weshalb in Deutschland und anderen europäischen Ländern strenge Auflagen für die Aufzucht herrschen. Der Kiri-Baum muss hierzulande separat gehalten werden. Er wird auf Plantagen außerhalb des Waldes gepflanzt und nach einigen Jahren gefällt. Das Holz gilt als außerordentlich wertvoll, es ist leicht und gleichzeitig sehr stabil. Die Industrie verwendet es für die Herstellung von Musikinstrumenten, Surfboards und die Inneneinrichtung von Wohnmobilen und Schiffen. Die Japaner fertigen gern Schränke und Sandalen aus dem Holz des Kiri-Baumes an. Dort wird der Baum traditionell nach der Geburt von Mädchen gepflanzt und bei der Hochzeit gefällt, um einen Kimonoschrank aus dem Holz zu bauen.

Seit wann gibt es den Kiri-Baum hierzulande?

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte der Würzburger Japanologe und Naturforscher Philipp Franz von Siebold (1796 – 1866) den Kiri nach Europa. Von Siebold stammt der botanische Name Paulownia tomentosa, welcher der niederländischen Kronprinzessin Anna Pawlowna gewidmet war. Siebold stand damals in niederländischen Diensten. Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. erkor den Blauglockenbaum zu seinem Lieblingsbaum, weshalb in den Ländern des damaligen Österreichischen Kaiserreichs noch heute viele Kiri-Bäume zu finden sind. Auch den Wert des Holzes erkannte man schon im 19. Jahrhundert: Es gibt vom Kiri-Baum verschiedene Sorten, von denen einige nicht nur schnell, sondern auch mit einem besonders geraden Stamm wachsen. Daraus entsteht Edelholz, das sogar eine Geldanlage und ein damit ein Spekulationsobjekt sein kann.

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