Was ist das Grundeinkommensjahr? Bedeutung und Definition

Die Idee des „Grundeinkommensjahr“ stellte der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am 7. November 2018 vor. Er bezeichnete das „Grundeinkommensjahr“ als „Grundeinkommen light“. Ein generelles Grundeinkommen lehnte Klingbeil ab.

Das Grundeinkommensjahr sollen sich Arbeitnehmer nach folgenden Regeln erarbeiten:

  • Mit jedem Arbeitsjahr erhält der Arbeitnehmer Anspruch auf einen Monat bezahlte Auszeit.
  • Ein Arbeitnehmer kann frühstens nach 6 Jahren das erste mal in 6 Monate  Grundeinkommensjahr gehen.
  • Das Grundeinkommensjahr wird auf maximal 12 Monate gedeckelt.
  • Nur Arbeitnehmer die wöchentlich mehr als 20 Stunden arbeiten, erhalten den vollen Anspruch auf das Grundeinkommensjahr. Wer weniger als 20 Stunden pro Woche arbeitet, bekommt dies anteilig angerechnet.

In seiner Konsequenz bedeutet dies:

  • Ein Arbeitnehmer, der 6 Jahre gearbeitet hat, erhält 6 Monate bezahlte Auszeit.
  • Ein Arbeitnehmer, der 12 Jahre gearbeitet hat, erhält 1 Jahr (12 Monate) bezahlte Auszeit.
  • Ein Arbeitnehmer, der 13 Jahre am Stück gearbeitet hat, erhält 1 Jahr (12 Monate) bezahlte Auszeit.
  • Ein Arbeitnehmer, der 5 Jahre gearbeitet hat, erhält 0 Monate bezahlte Auszeit.

Grundeinkommen im Grundeinkommensjahr: Details, Kosten und Folgen

Arbeitnehmer, die ein Grundeinkommensjahr komplett oder nur in Teilen nehmen, erhalten je Monat erarbeiteter Auszeit 1000 Euro Netto vom Staat. Diese Summe wird an den aktuellen Mindestlohn angepasst.

Die Krankenversicherung bezahlt der Staat ebenfalls. Steuern sollen keine anfallen.

In der Zeit, in der sich ein Arbeitnehmer im Grundeinkommensjahr befindet, erwirbt er keine Ansprüche aus der Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung.

Es gibt keine Regeln wie das Grundeinkommensjahr verbracht werden kann oder soll. Dies ist dem Arbeitnehmer selbst überlassen.

Die SPD geht davon aus, dass 2 Prozent der anspruchsberechtigen Erwerbstätigen das Grundeinkommensjahr jährlich in Anspruch nehmen würden. Bei 35 Millionen Erwerbstätigen wären dies 700.000 Menschen pro Jahr. Die jährlichen Kosten für das reine Grundeinkommen und die bezahlte Krankenkasse sollen sich – laut SPD-Rechnung – auf 9,6 Milliarden Euro belaufen. Verwaltungskosten sind in der Summe noch nicht enthalten.

Vorteile des Grundeinkommensjahres

Vorteile für ein Grundeinkommensjahr sollen folgende sein:

  • Arbeitnehmer hätten damit Zeit für Dinge, die sie während oder durch die Arbeit nicht mehr geschafft haben.
  • Arbeitnehmer können in der Zeit des Grundeinkommensjahres den Kopf freibekommen
  • Stressabbau / Burnout-Vorsorge
  • Neuorientierung
  • Freizeit
  • Weiterbildung / Reisen

Kritik am Grundeinkommensjahr

Die Idee des Grundeinkommensjahres wurde kritisiert, da sie einen Verwaltungsapparat benötigt, der zusätzlich zu den Kosten des Grundeinkommensjahres anfallen würde.

Auch wurde kritisiert, dass manche Arbeitslose – vermutlich in ALG I – die Summe von 1.000 Euro oder mehr aktuell einfach so erhalten. (Wie viele dies genau sind, ist unbekannt.)

Grundeinkommensjahr oder Sabbatical?

Das Grundeinkommensjahr erinnert stark an das „Sabbatjahr“, auch Sabbatical genannt.

US-amerikanische Universitätsprofessoren prägten den Begriff „Sabbatical“ als Bezeichnung für Forschungssemester oder Semester, in denen sie freigestellt waren. An Hochschulen in Deutschland und Europa sind Sabbaticals ebenfalls möglich.

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