Was ist Babyfrust / Elternfrust? Bedeutung, Definition, Erklärung

Was ist Babyfrust, Elternfrust, Bedeutung, Definition, Erklärung


Babyfrust oder auch Elternfrust ist das Gefühl einer massiven und permanenten Überforderung nach der Geburt des Babys bei beiden Eltern. Frust löst dieser Stress aus, weil er vermeintlich nicht öffentlich kommuniziert werden darf. Die jungen Eltern glauben, dass sie sich niemandem anvertrauen können. In vielen Fällen gestehen sie sich ihren Frust nicht einmal gegenseitig ein, weil sie sich dann wie sehr schlimme Rabeneltern vorkämen. Eigentlich sollten sie doch den ganzen Tag glücklich über ihr Baby sein. Dies ist das eigentliche Problem am Babyfrust: Es gibt kein Ventil für ihn.

Wer ist von Babyfrust betroffen?

Dieses Gefühl kann jede junge Familie treffen, doch manchmal sind Frauen deutlich stärker belastet. Bei ihnen kommt es unmittelbar nach der Geburt zu einem plötzlichen, manchmal sehr starken Hormonabfall, der den sogenannten Babyblues auslöst. Die Mütter sind dann für einige Tage bis wenige Wochen seelisch labil, weinen grundlos und sind sehr inaktiv. Hinzu kommt nun die neue Anforderung, sich permanent (auch nachts) um das Neugeborene kümmern zu müssen. Unter diesen Umständen kann der Babyfrust besonders stark ausfallen.

Grundsätzliche Ursachen für Babyfrust

Die grundsätzliche Ursache für Babyfrust ist die massive Umstellung der Tagesabläufe, verbunden mit der großen Emotion, die das eigene Kind auslöst. Dieses bestimmt zusätzlich ab sofort den Alltag, sodass den Eltern die Zügel aus der Hand genommen werden. Die Abläufe sind dabei sehr stereotyp und monoton. Sie verlangen Disziplin und höchste Aufmerksamkeit, sind aber intellektuell anspruchslos. Dadurch entstehen Über- und Unterforderung gleichzeitig, was sehr schnell zum Babyfrust führen kann. Die Eltern wünschen sich ihre alten Aufgaben zurück. Die Mütter, die fast immer in der ersten Zeit wegen des Stillens daheim bleiben, sind besonders betroffen. Doch der Elternfrust greift auch auf den noch berufstätigen Vater über.

Welche Haltung sollten die Eltern einnehmen?

Eltern müssen wissen, dass dieses Phänomen fast jede Familie zumindest zeitweise betrifft. Es gibt also nicht den geringsten Grund, sich wegen des Babyfrusts zu schämen. Dennoch müssen die Anforderungen zwingend bewältigt werden. Eine lösungsorientierte Haltung ist dringend zu empfehlen. Der Tagesablauf muss neu gedacht werden, die beiden Partner müssen sich gegenseitig unterstützen. Zudem ist ein kritischer Blick auf die gesellschaftliche Anerkennung für junge Eltern erlaubt. Deren Belastungen werden größtenteils ausgeblendet. Die Monotonie einer Art von Pflegeberuf, der höchste Aufmerksamkeit erfordert, würdigt kaum jemand angemessen. Die gute Nachricht ist, dass mit einer vernünftigen Zeiteinteilung diese Anforderungen durchaus zu bewältigen sind und außerdem diese Phase unweigerlich endet, weil das Kind wächst, wacher wird, alsbald seine ersten Worte plappert und somit wiederum für Glücksmomente sorgt. Natürlich schickt es seine Eltern damit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle, weil es im nächsten Moment wieder herzzerreißend weint und schreit, ohne dass hierfür eine Ursache erkennbar wäre.

Babyfrust und Regretting Motherhood

Babyfrust kann zum sogenannten Regretting Motherhood führen. Dieses bedeutet, dass es die Mutter allein oder sogar beide Eltern bereuen, dass Baby bekommen zu haben. Die israelische Forscherin Orna Donath hat sich damit befasst und herausgefunden, dass vor allem einige Mütter auch nach dem Babyalter ihre Mutterschaft bereuen. Sie geben aber übereinstimmend an, ihre Kinder zu lieben. Nur würden sie diese nicht noch einmal bekommen, wenn sie die Wahl hätten. Diese Gefühlslage gilt als nicht ganz unbedenklich, weil sie zumindest mit einer emotionalen Vernachlässigung der Kinder auch in späteren Lebensjahren einhergehen kann. Die Ursache hierfür scheint ein traumatisierender Babyfrust im ersten Lebensjahr des Kindes zu sein, so Donath. Die Wissenschaftlerin empfiehlt, Mütter davor zu bewahren. Dies gelinge allein durch die Achtsamkeit des Partners, falls er überhaupt vor Ort ist, sowie aller Großeltern des Kindes, die im Fall der Fälle bei massivster Überforderung auch mal sehr flexibel einspringen sollten.

Mittel gegen Babyfrust

Es gibt mehrere Methoden, um gegen den Babyfrust anzugehen:

  • akkurate Tagesorganisation
  • Austausch mit anderen Müttern
  • Hilfe des Partners und der Angehörigen organisieren
  • bewusst Freiräume schaffen, in denen die Mutter einen halben bis ganzen Tag nur für sich hat
  • Tagebuch führen
  • Hintergründe evaluieren (gesellschaftlicher Status wie oben beschrieben, aber auch Fakten zum Verhalten eines Babys und seiner Gesundheit)

Der Austausch mit anderen Müttern und auch dem eigenen Partner gilt als essenziell. Babyfrust entsteht vorrangig wegen des schlechten Gewissens der Mutter oder beider Eltern. Dieses verschwindet mit dem Bewusstsein, dass sehr viele Mütter und Eltern betroffen sind. Als ein Glücksfall gilt es, wenn eine gute Freundin oder Nachbarin fast zeitgleich entbunden hat und sich die beiden Mütter bei der gemeinsamen Betreuung beider Babys abwechseln können, sodass immer eine von ihnen einmal einen halben Tag frei hat. Einmal pro Woche kann genügen.

Alltag mit Babyfrust

Der Alltag kann so aussehen, dass die junge Mutter nach der aufregenden Zeit der Schwangerschaft und Geburt nun im anstrengenden Tagesablauf mit dem Baby feststeckt, während der Ehemann arbeiten geht. Für ihn ist das ebenfalls anstrengend: Täglich vollbringt er nun den Spagat zwischen seinem Berufsalltag und der Situation daheim. Er wird beruflich nach wie vor vollständig gefordert, doch wenn er nach Hause kommt, wartet dort eine quirlige und oft sehr gestresste Familie auf ihn. Er kann nun nicht mehr wie früher die Jogginghose anziehen, ein Bier öffnen und den Fernseher anschalten, sondern muss den Schalter zum liebenden Vater umlegen. Das verlangt Aufmerksamkeit.

Möglicherweise sitzt die geliebte Ehefrau und Mama mit dem Baby auf der Couch und hat es seit den Morgenstunden nicht geschafft, sich etwas Vernünftiges anzuziehen. Nicht einmal geduscht hat sie, von der Zubereitung eines Abendessens ganz abgesehen. Stattdessen gibt sie ihrem Gatten gereizte Anweisungen. Sie schickt ihn zum Einkaufen, was er umgehend erledigt. Dabei stolpert er im Flur über den Staubsauger und Windeln, weil die Frau beides nicht weggeräumt hat. Nun ist er selbst frustriert und gestresst, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Immerhin hat er den ganzen Tag hart gearbeitet. Konnte sich seine Frau wirklich die Zeit nicht ein bisschen einteilen? Diese sitzt derweil auf der Couch und wagt es nicht, sich zur rühren, weil eben das Baby nach einem Tag voller Tränen eingeschlafen ist. Sie beneidet ihren Mann, der sich wenigstens tagsüber ins Büro verabschieden kann. Zum Babyfrust kommt das gegenseitige Unverständnis.

Die Romantik spielt zwischen den beiden schon länger keine Rolle mehr. Dieses Paar sollte sich zuerst miteinander unterhalten und die praktischen Abläufe klären, dann sollte es sich Hilfe von außen holen.

Autor: Pierre von BedeutungOnline

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